Rom: Bergwanderung um den Albaner See nach Castel Gandolfo, Teil 2

Castel Gandolfo: vor dem Eingangspalast zur Sommerresidenz des Papstes

Castel Gandolfo: prächtige Villlen über dem See, auf der Piazza italienische Touristen, der obligate Gluckerbrunnen, dahinter der Eingangspalast der Papstresidenz. In diesem seit jeher beliebten Sommerfrischeörtchen hat Goethe 1787 drei Wochen „in guter Gesellschaft“ verbracht. „Eine Mailänderin interessierte mich die acht Tage ihres Bleibens“, schreibt er in der „Italienischen Reise“ und schildert dann eine scheue Romanze. In Wirklichkeit war Goethe mitnichten scheu, er pflegte aufs Ganze zu gehen, mal mit, mal ohne Erfolg … Wo in Castel Gandolfo hat sich die Romanze zugetragen? Laut Goethe soll es „ein sehr stattliches Gebäude“ gewesen sein. Meine Vorabrecherche hatte einen vagen Namenshinweis erbracht, Villa Torlonia, sonst aber nichts. So frage ich einen des Wegs kommenden, das Enkelkind ausführenden Rentner. „Sie“ meint er heftig nickend, die Villa sei nicht weit, nur ein Stück die Hauptstraße runter und dann gleich rechts an der Via Ercolano. Weiterlesen

Rom: Bergwanderung um den Albaner See nach Castelgandolfo, Teil 1

Das Bergstädtchen Rocca di Papa nahe Rom. Auf der Piazza der schöne aber leider gerade trockener Brunnen

Rocca die Papa, einstige Bergfestung des Papstes, an steiler Flanke der Albaner Berge klebend. Nur eine halbe Stunde Busfahrt auf serpentinen- und panoramareicher Route von Rom aus. Auf der Piazza glänzen die Wasserschleier des großen Brunnens im Sonnenlicht, tausendfach funkeln die Reflexe. Auch andere Augenfreuden bieten sich dar: der stupende Blick auf die Campagna bis Rom, Meer und hinüber nach Castelgandolfo mit der mächtigen Sommerresidenz des Papstes, unterhalb der grünblau der Lago Albano glitzert.
Richtung Monte Cavo – Heiliger Berg der alten Latiner, das Ahnenvolk der Römer – führt der Weg durch den Ortsteil Campi d`Annibale, wo einst Hannibal mit seinem Heer beim Marsch auf Rom gelagert haben soll. Nun der ansteigende Weiterlesen

Venedig Tips: das Opernhaus La Fenice

Das Opernhaus La Fenice. Rechterhand führt eine Gasse zum Hintereingang, wo man früher per Gondel ankam.

La Fenice: ein schöner Platz, ein gediegener klassizistischer Bau. Und ein Brennpunkt der Operntradition – Werke von Verdi und Wagner wurden hier uraufgeführt. Immer zieht es mich auch die enge Gasse rechts am Theater entlang zum anmutigen Wassereingang an der Rückseite – früher der Haupteingang: Man ließ sich per Gondel vorfahren, die verdreckten Gassen – verdreckt nicht nur mit „gemeinem, sondern beizendem Kot“, wie der große Italienreisende Goethe schimpfte – wären den Galakleidern schlecht bekommen.
Die zum Eingang hinaufführenden Steinstufen sind zum Teil schon ins Wasser abgesunken, viel fehlt nicht mehr und es Weiterlesen

Italienisches Mysterium

 

Padua: Caffè Pedrocchi – der legendäre Gastronomietempel

Wieder Padua, diesmal am Abend, gegen halb elf. Nach dem cena führt mich der Weg am Caffè Pedrocchi vorbei: ein Säulen-Palast, ausschließlich lukullischen Freuden gewidmet – wo gibt es sowas schon bei uns? Der Palast erglüht im Lichtspiel wechselnder Farben, davor junges Volk, gerade mals Zwanzig, in exquisiter Abendgarderobe wie frisch vom Laufsteg – Seidenroben wehen, Goldjäckchen funkeln, die Jungs: dunkler Anzug, weißes Hemd, Fliege. Im strahlend hellen Saal Singen, Jauchzen, Schreien, lautes Zuprosten.  „Gala Ball“ lese ich … Gala, Luxus, Gold und Glitter … Highlife schon der Twens – mein Weltbild wankt: Italien geht es schlecht, heißt es doch; auch im Land selbst ist la crisi seit Jahren das mediale Dauergespenst. Wie passt das zusammen? Ein Mysterium … Weiterlesen

Verona: Wandern zwischen Fluss, Berg, Geschichte

An der schäumenden Etsch: Veronas alte Römerbrücke

Verona: Flucht aus der überlaufenen Innenstadt Richtung Etsch: Von der Arena aus (Piazza Bra) folge ich der Via Roma, die linkerhand der langen Straßencafé-Front abgeht. Am gewaltigen mittelalterlichen Castelvecchio – Trutzburg der Scaliger, Veronas mächtigstem Geschlecht -, gelange ich links vorbei zur Flusspromenade Rigaste S. Zeno an der rauschenden Etsch (Adige): ein wunderbarer, von Linden und Rosenbäumchen gesäumter Weg, auf dem mich – es ist Mai – lieblicher Blütenduft umfängt. Am Ende der Promenade gehts links über die Via Barbarani Berto und die Piazza Cerrubio zur großartigen Klosteranlage San Zeno. Erster Eindruck: Luft anhalten … Überragt vom eleganten, hoch aufschießenden Campanile eine Weiterlesen

Venedig: Fauxpas im Domizil des Dogen

Der Dogenpalast: Amtsitz des einstigen Herrschers über die Seerepublik Venedig. Grandios, macht- und prachtstolz. Anders als das Privatdomizil, s. unten …

Am elegant-weiten Campo San Stefano: die Straßenrestaurants voll von Essern und Sonnenanbetern. Ein Stück zur Linken ein stolzes Portal, das in den Hof eines ebenso stolzen Palazzo führt: die Privatresidenz des 108. Dogen Francesco Morosini, eines Seehelden und Türkenüberwinders, lese ich. Derzeit geöffnet für eine Biennale-Ausstellung. Also rein!
Im Erdgeschoß eine enorme Empfangshalle, aus der eine breite Steintreppe ins Piano nobile hinaufführt. Oben hohe Balkendecken, bleigefasste Bogenfenster, dezent ornamentierte Wände. Sehr stilvoll alles, und Weiterlesen

Italienische Bustouren: Nervenkitzel und Sinneslust

Die zum Ristorante umfunktionierte alte Mühle von Dolo – Teil einer früheren Riesenmühle für die Versorgung von Venedigs Bevölkerung.

Von Padua aus will ich den alten Brenta-Flusslauf erkunden, den idyllischen Wasserweg, auf dem frühe Reisende wie Goethe nach Venedig fuhren – was wesentlich komfortabler war als per Kutsche auf den Rumpel- und Achsenbrecherstraßen. Mit dem 53er-Bus kommt man hin, hat man mir gesagt. Am Busbahnhof frage ich, wo er fährt. Gibt`s hier nicht, ist die Antwort. Ich solle in der Biglietteria fragen. Ich eile hin, keine 5 Minuten mehr bis zur Abfahrt. Dort warten, dann heißt es: Biglietti für den Brenta-Bus gibt`s drüben am edicola. Ich haste über den Platz zum Zeitungsstand. Endlich, das Ticket. „Bus 13 fährt gleich!“ wird mir nachgerufen. Keine Zeit zum Wundern über die andere Nummer – Geldbeutel und Rückgeld Weiterlesen

Rom: das Schicksal der ersten Christen

Die frühchristliche Kirche Santa Sabina gibt einen Einblick in das Schicksal der ersten Christen

Rom. Auf der ruhig-idyllischen Via di Santa Sabina den Monte Aventino hinauf (näheste Metro: Circo Massimo). Blicke hinunter auf den Tiber und über Rom hinweg. Dann die frühchristliche Kirche Santa Sabina: eine stilreine Basilika, wie sie für die allerersten Kirchen üblich war. Eine anrührende Besonderheit: Im Inneren sieht man an der rechten Seitenwand durch eine Bodenöffnung hinab in die Antike – und in die Vorgeschichte von Santa Sabina. Eine verwitterte, aus der Tiefe emporragende Säule zeigt an, dass die Kirche über einem Vorgängerbau errichtet wurde: dem Weiterlesen

Kinder – die Könige Italiens

Am Golf der Poeten an der Riviera

Riviera. Im Bus von La Spezia nach Lerici, wo am „Golfo dei Poeti“ die berühmten englischen Poeten Lord Byron und Shelley gelebt hatten.
Im voll besetzten Bus sitzen mir ein Mädchen und ein Junge in Badesachen gegenüber, vier, fünf Jahre alt. Der Fischkescher in der Hand des Jungen gerät immer wieder zwischen die Beine meiner ältlichen Sitznachbarin, die stumm und zunehmend verbittert dagegen ankämpft. Die noch jugendliche Oma der Kinder steht daneben im Gang, ein drittes Kind bei sich und vertieft in lebhaftes Weiterlesen

Venedig Karneval

Venedig Karneval

Venedig Karneval: Kostümparade auf dem Markusplatz

Ein feuchtkalter Faschingsdienstag, die Luft vollgesogen mit den Wassern der Lagune. Der Himmel grau, der Markusplatz bunt – von den überprächtig Kostümierten, die pfauengleich einherschreiten, jederzeit bereit einzuhalten und zu posieren für die Fotografen, die noch zahlreicher als sie selbst den Platz bevölkern – ich eingeschlossen. Die Kostümstoffe von feinster Seide bis zu schwerem, steinebesetztem Brokat, in Sonnenuntergangsfarben von gold bis rubinrot wie auch in Kalttönen von Silber bis Schwarz, die zusammen mit Schnabel- und Pestmasken einen atmosphärischen Eishauch verströmen. Kaum ein Gesicht unmaskiert – deshalb lastendes Schweigen, sphinxenhafte Starre.
Später auf der Strada Nuova eine Zufallsbegegnung: ein Maskenzug. Beim Näherkommen erkennen wir die schon bekannten Kostümträger, jetzt paarweise hintereinander auf einem Stadtrundgang – erneut in Stille und Starre. Kein Hauch von Fröhlichkeit, stattdessen Inszenierung, Organisation. Weiterlesen