Verona: Wandern zwischen Fluss, Berg, Geschichte

An der schäumenden Etsch: Veronas alte Römerbrücke

Verona: Flucht aus der überlaufenen Innenstadt Richtung Etsch: Von der Arena aus (Piazza Bra) folge ich der Via Roma, die linkerhand der langen Straßencafé-Front abgeht. Am gewaltigen mittelalterlichen Castelvecchio – Trutzburg der Scaliger, Veronas mächtigstem Geschlecht -, gelange ich links vorbei zur Flusspromenade Rigaste S. Zeno an der rauschenden Etsch (Adige): ein wunderbarer, von Linden und Rosenbäumchen gesäumter Weg, auf dem mich – es ist Mai – lieblicher Blütenduft umfängt. Am Ende der Promenade gehts links über die Via Barbarani Berto und die Piazza Cerrubio zur großartigen Klosteranlage San Zeno. Erster Eindruck: Luft anhalten … Überragt vom eleganten, hoch aufschießenden Campanile eine

Abtei San Zeno: die großartige romanische Basilika mit dem eleganten Campanile. Links der Abteiturm, ein sicherer Aufenthalt für die deutsch-römischen Kaiser bei ihren Italienzügen.

mächtige Romanikbasilika von seltener Stilreinheit und schlichter Noblesse, daneben ein trutziger Abteiturm. Das Kircheninnere himmelhoch und von puristischer Pracht bis hinauf zur fein ornamentierten Holzdecke. Über der Krypta das verblasste Wandfresko von Friedrich II. aus dem Geschlecht der Staufer, dem Freigeist und Islamversteher auf dem Kaiserthron – vom Papst als Bestie und Antichrist verflucht, von anderen verehrt als Stupor Mundi – „Staunen der Welt“. Friedrich II. förderte den Ausbau von San Zeno und weilte öfter in der Abtei: Sie war Reichsabtei und Kaiserpfalz, wo die deutsch-römischen Kaiser auf ihren Italienzügen Aufenthalt nahmen und Audienz hielten.
Von San Zeno wieder zurück auf der Etschpromenade bis zum Castelvecchio und durch die Burg hindurch (Zugang frei) auf der zugehörigen mittelalterlichen Brücke über den grünblau strudelnden Fluss und an ihm entlang auf der jenseitigen Uferpromenade Lungadigie. An den folgenden zwei Brücken jeweils wieder aufs andere Ufer – so hat man immer den schönsten und ruhigsten Weg: eine herrliche Fluss- und Stadtlandschaft vor sanften zypressendunklen Höhenzügen. Umfangen vom Rauschen des Alpenstroms, von frischer Prickelluft und Zauberbildern fühle ich mich leicht und schwebend wie nach einem Glas Prosecco zu viel.
An der schönen alten Römerbrücke Ponte Pietra führen Stufen hinauf auf den San Pietro-Berg, vorbei an blütenumsponnenen Palazzi, vorbei am Terrassenrestaurant Re Teodorico – der Gotenkönig Theoderich hatte hier seine Residenz – und schließlich hinauf zum Castel San Pietro. Der höchste Punkt Veronas. Von hier haben sie als Eroberer hinabgeschaut: Römer, Goten und Germanen, römisch-deutsche Kaiser, Venezianer, die Generäle Napoleons und der k. u. k. Monarchie.
Der triumphierende Blick hinab war wohl der Höhepunkt ihres Eroberungsrausches: danach gings wieder bergab, mehr oder minder schnell – die nächsten Eroberer klirrten schon mit ihren Waffen. Der letzte war Garibaldi, der Italien von der Fremdherrschaft befreite.

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