Venedig Karneval

Venedig Karneval

Venedig Karneval: Kostümparade auf dem Markusplatz

Ein feuchtkalter Faschingsdienstag, die Luft vollgesogen mit den Wassern der Lagune. Der Himmel grau, der Markusplatz bunt – von den überprächtig Kostümierten, die pfauengleich einherschreiten, jederzeit bereit einzuhalten und zu posieren für die Fotografen, die noch zahlreicher als sie selbst den Platz bevölkern – ich eingeschlossen. Die Kostümstoffe von feinster Seide bis zu schwerem, steinebesetztem Brokat, in Sonnenuntergangsfarben von gold bis rubinrot wie auch in Kalttönen von Silber bis Schwarz, die zusammen mit Schnabel- und Pestmasken einen atmosphärischen Eishauch verströmen. Kaum ein Gesicht unmaskiert – deshalb lastendes Schweigen, sphinxenhafte Starre.
Später auf der Strada Nuova eine Zufallsbegegnung: ein Maskenzug. Beim Näherkommen erkennen wir die schon bekannten Kostümträger, jetzt paarweise hintereinander auf einem Stadtrundgang – erneut in Stille und Starre. Kein Hauch von Fröhlichkeit, stattdessen Inszenierung, Organisation. Tourismusmarketing – der Stadt oder des Hotelverbands? Es sollen ja auch viele ausländische Kostümenthusiasten mitmachen – sind die Maskenzügler vielleicht eine Abordnung vom Karnevalsverein Castrop-Rauxel?

Venedig Karneval: Bootsbesteigung zur Schiffsprozession auf dem Canal Grande

Wieder später an einem Seitenkanal des Canal Grande. Eine offenbar venezianische Festgesellschaft, kostümiert als einstige Patrizier, begibt sich in Gondeln und Kähne. Meine Frau und ich verfolgen  den Bootskonvoi wie er auf den Canal Grande hinausfährt, sich mit anderen Booten zu einer Festprozession vereinigt und unter der Rialto-Brücke Richtung Lagune verschwindet.- Erinnerung an das höchste Fest der einstigen Seerepublik Venedig, der „Vermählung des Dogen mit dem Meere“? Bei dem der Doge in seiner Prachtbarke gefolgt von Patriziat und Volk in ihren geschmückten Booten aufs Meer hinausfuhr, um der engen Symbiose mit ihm zu huldigen? Das hätte dann schon mehr Tiefe als das aufgedonnerte Kostümgestelze.
Und trotzdem, gegen frühere Fasching daheim kommt das alles nicht an – wenn ich da an München denke, wenn auf dem Marienplatz die Gaudimusik aufgespielt hat! Tempi passati, genauer: Jahrzehnte her, vorbei, vorbei …

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