Wandern Gardasee: Torbole

Wandern Gardasee: Der legendäre alte Passweg hinunter nach Torbole

Wandern am Gardasee auf dem legendären alten Passweg bei Torbole – samt historischen Erinnungspreziosen

„Il Garda“: größter italienischer See, mediterranes Lieblingsziel der Deutschen und – als Haus-See der Münchner – „Lago di Monaco“. In der schönen Jahreszeit deshalb Gedränge in den Gassen von Malcesine, Garda und Limone. Aber ungerührt und majestätisch steht darüber die grandiose Natur: aufragende, oft noch schneebekrönte Berge, sanfte grüne Höhenzüge, der wellenglitzernde See. Grund genug, die Wanderschuhe zu schnüren.
Zum Beispiel in Torbole, ganz oben an der Seespitze – da übrigens, wo Goethe auf seiner Italienischen Reise zum erstenmal auf die arkadische Natur Italiens traf, mit Ölbäumen und wilden Feigen, und wo er geradezu aufjubelte über die herrliche Naturwirkung und das köstliche Schauspiel namens Gardasee. Just nämlich als er den alten, legendären, grandiosen aber jetzt ziemlich vergessenen Passweg von Nago hinunter stieg zum See. Ich nun will ihn an diesem Apriltag hinauf.
So wende ich mich von Torboles zentraler Piazza Goethe – am Platz die dem Dichter gewidmete Erinnerungstafel – bergwärts die Via R. Pontalti und weiter die Via Santa Lucia hinauf. Bald wird sie zum Wanderweg zwischen subtropisch überwucherten Mauern, uralten verknorzten Olivenbäumen und beidseits aufragenden Gebirgsstöcken – links ein ungeheurer, wie von Titanen abgeschlagener Felssturz, rechts das in grünen Berghängen ansteigende gewaltige Monte Baldo-Massiv. Hoppla – fast wäre ich auf eine Eidechse getreten, blitzschnell rettet sie sich unter die Trockenmauer. Auf ihr sehe ich dann immer wieder mal so einen Lurchi dahinhuschen und in den Ritzen verschwinden.
Fabelhaft der Rückwärtsblick hinunter über Torboles Dächer und Kirchturm hinweg auf den funkelnden See – weiß gepunktet von Surfsegeln und jetzt gerade durchpflügt von einem Kursschiff mit seinen schäumenden Kielwellen.
Weiter hinauf verengt sich das Tal zur Schlucht – der Abschluss des Felsamphitheaters, wie Goethe die fulminante Bergszenerie veranschaulicht. Und genau hier ist die Ungeheuerlichkeit des legendären Unternehms am besten zu ermessen, das sich im Jahr 1439 zutrug: In der Absicht, den von den Mailändern gehaltenen Gardasee zu erobern, schleppten die Venezianer mit 2000 Ochsen und Rindern eine Flotte von 30 Booten, darunter große Galeeren, von der Etsch aus über die Berge nach Nago hinauf, von wo sie die Schiffe an Seilen durch just diese Schlucht zum See hinabließen. Ein Wahnsinnsunternehmen – und wohl Vorbild für den Film Fitzcarraldo der Film-„Wahnsinnigen“ Werner Herzog und Klaus Kinski.
Ungefährdet steigt der Weg seitlich der Schlucht in die Höhe, wird wieder flacher und strebt dem freundlichen Passort Nago entgegen, dessen Campanile mich mit blechernen 10 Uhr-Glockenschlägen empfängt. Eine gute Stunde hat der Aufstieg gedauert, samt vielem Schauen. Auch der Rundgang durch Nago ist nicht ohne: glycinienüberhangene Torbögen, historisches Gemäuer – einst Kloster, Passherberge? -, ein historisches Waschhaus – so also war das früher -, das Castel Penede und von ihm der Cinemascope-Blick hinunter Richtung Riva mit der fjordartigen Seespitze. Und wen es nach Stärkung verlangt: Ristorante&Pizzeria mitten im Ort.
Zurück nehme ich denselben Weg – er hat Suchtpotential. Wessen Füße aber noch nach mehr verlangen, kann in Nago den beschilderten Weg über den Monte Baldo nehmen, genauer über seinen sanften Ausläufer.
Wieder unten in Torbole kehre ich ein ins schöne Ristorante&Pizzeria „Al Porto“ an der Piazza Goethe. Hier kann man sich gewissermaßen als Nachbar des Dichterfürsten fühlen, der im Haus gegenüber logierte (Erinnerungstafel!). Und man kann wie er die „köstlichste Seeforelle“ essen, die ich unter Beratung des freundlichen und kenntnisreichen Padrone als Trota salmone – Lachsforelle – auf der Karte identifiziere.  Der genussvolle Abschluss einer tollen Wanderung!

Andere Wanderung am Gardasee: Wandern Gardasee: von Torbole nach Riva

 

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