Ciao amore!

Rom, Stadtteil Monte Sacro, 16. September 2015, morgens 8.20 Uhr .

Tägliches Morgenritual: Begleitung der Kinder zur Schule

Vor einem gravitätischen Gebäude – die wehende italienische und EU-Fahne künden von Staatsautorität – herrscht Auflauf. Erwachsene und Kinder. Weitere stoßen hinzu: Mamas, Papas, Großeltern, ihre bambini an der Hand. Lässig-kurzärmelige Kleidung herrscht vor, einige picobello Gedresste, Männer wie Frauen, stechen heraus wie Orchideen aus der Graswiese.
Scuola elementare lese ich am Gebäudeeingang. Er steht offen, aber niemand zeigt Eile – man ist ganz tranquillo, schwatzt und lacht, die Kinder beschäftigen sich auf ihre Weise, eine Gruppe Zehnjähriger begutachtet die abgestellten Motorroller. Fünf, sechs Dutzend Leute mögen inzwischen auf dem Rondell vor der Schule versammelt sein.
Ich frage einen der Papas: „Erster Schultag nach den Ferien?“
Er schüttelt den Kopf: „Der zweite“
Da verstehe ich: kein Sonderfall, sondern alltägliches Ritual. Diverse Beobachtungen, von Oberitalien bis hinunter in den mezzogiorno, fügen sich zum Bild: morgens die Kinder in Begleitung zur Schule, nachmittags begleitet wieder nach Hause – man wird die Schätzchen doch nicht unbeschützt laufen lassen! Außerdem trifft man die anderen Eltern und ist immer gut im Bilde. Bei Doppelberuflern helfen halt die Großeltern aus, mit denen man meist in Symbiose lebt.
Nur noch wenige Minuten bis halb Neun. „Allora …“ – das Abschiedszeremoniell beginnt: „Ciao cara!“ – „Ciao Mamma!“ – Küsschen – Drücken – Winken. Nicht wenige Mammas und auch etliche Papas bringen die Kinder bis in die Eingangshalle, die widerhallt: „Ciao cuore mio … Ciao amore! …“
Und wie ist das bei uns daheim in Deutschland? Kürzlich sah ich morgens vor Acht einen Erstklassknirps an der Fußgängerampel, mutterseelenallein: brav den Knopf drücken, warten und dann vor dem quietschend bremsenden Laster hinüber.
Come triste …

Tipps:
Wem die römischen Innenstadt-Hotels zu teuer sind, für den kann im untouristischen Stadtteil Monte Sacro (im Nordosten) das Gästehaus „Villa Maria Rosa Molas“ (Via Cervino 6, unweit Piazza Menenio Agrippa) eine Alternative sein: unter kirchlicher Leitung aber unkonfessionell, gepflegt innen wie außen.
Um die Piazza M. Agrippa und Piazza Sempione solide Lokale, Bars, Pasta-Imbisse und römisches Leben.
Ins Zentrum 20-30 Minuten mit Bus oder Metro/Station Conca d`Oro.

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